iPhone für alle! – Talkline-Chef schreibt offenen Brief an Steve Jobs

Kategorie(n) News - von Sebastian am Montag, 04.06.2007 - 2 Kommentare

BriefiPhone für alle! Unter diesem Motto schrieb Talkline-Chef Christian Winther einen offenen Brief an Steve Jobs. Angeregt durch die Partnerschaft von Apple und AT&T in den USA und den Gerüchten das Apple auch in Europa nur mit einem Netzbetreiber exklusiv zusammenarbeiten möchte, schreibt Winther in seinem Brief er sorge sich um die Wahlfreiheit des Kunden.

Das Steve Jobs/Apple nun jedoch nur für die Firma Talkline seine Strategie ändert, wage ich einmal zu bezweifeln. Das iPhone ist derzeit ein so heißes Produkt (man sieht es ja schon an diesem offenen Brief) das Apple sich a) aussuchen kann mit wem sie zusammenarbeiten möchten und b) vermutlich Forderungen stellen können die sich sonst keine andere Firma in diesem Business erlauben könnte.

Hier nun der Brief im original Wortlaut:

iPhone für alle!

Sehr geehrter Herr Jobs,
die Welt schaut auf Ihr neues Produkt – das iPhone. Auch hier im deutschen Markt wird das wirklich innovative Mobiltelefon sehnsüchtig erwartet. Während nach Informationen der Fachmedien derzeit Verhandlungen zur Exklusiv-Vermarktung mit großen internationalen Netzbetreibern laufen, sorgen wir uns als Mobilfunk Service Provider um die Wahlfreiheit des Kunden.
Wenn wir die Apple Verkaufsstrategie richtig deuten, wird der iPhone-Nutzer stets an einen einzigen Mobilfunk-Netzbetreiber gebunden sein. Und dieser Anbieter kann durch sein Exklusivrecht auch die Tarifbedingungen im dazu angebotenen Mobilfunkvertrag diktieren, wie im US-Markt das Unternehmen AT&T.

Als Service Provider im deutschen Markt bieten wir unseren 3,7 Millionen Mobilfunkkunden nicht nur die Auswahl aus den besten Handys im Markt. Unsere Kunden haben außerdem die Möglichkeit, die Geräte beliebig mit den vier in Deutschland nutzbaren Mobilfunknetzen und einer Reihe verschiedener Tarifmodelle zu kombinieren. Im Interesse unserer Kunden möchten wir in unserem Angebot weder auf das iPhone verzichten, noch auf die Möglichkeit, es mit unterschiedlichen Netzen und Tarifen zu kombinieren. Daher lautet unsere Forderung: „iPhone für alle!“

Bitte geben Sie Mobilfunk Service Providern die Chance, das Apple Mobiltelefon in kleineren Stückzahlen einzukaufen, und ermöglichen Sie damit dem Kunden, selbst über sein optimales Mobilfunknetz und das für ihn geeignete Abrechnungsmodell zu entscheiden.

Unserer Ansicht nach sind der Begriff Wahlfreiheit und die Marke Apple nahezu synonym. Seit nunmehr 30 Jahren bieten Sie im PC-Markt die besten Alternativen zu den als Quasi-Monopol aufgestellten Betriebssystemen des Marktführers. Im Gegensatz zu diesem öffnen Sie Ihr System immer wieder für Entwicklungen von Drittanbietern und teilweise sogar für Open-Source-Projekte. Dahinter steht unseres Erachtens ein tiefes Verständnis für demokratische Marktstrukturen. Auch mit Ihrem jüngsten Vorstoß, den Online-Musikmarkt von den Fesseln der Kopierschutz-Systeme zu befreien, belegen Sie diese Ausrichtung. Warum wollen Sie also gerade bei Ihrem ersten Mobilfunkprodukt einer Vermarktungsstrategie folgen, die auf Monopolstrukturen setzt? Wir sehen darin einen Widerspruch zu der Markenpolitik, die Apple in den vergangenen 30 Jahren zu dem lebendigen und charismatischen Unternehmen gemacht hat, das es heute ist. Gemeinsam mit unseren Kunden möchten wir auch morgen noch dem fröhlichen „think different“ folgen können, das Ihre Marke als die bewusste Entscheidungsalternative intelligenter Verbraucher propagiert. Doch dafür braucht der Kunde eine Wahlmöglichkeit und keinen Exklusiv-Anbieter.

Mit freundlichen Grüßen
TALKLINE GmbH & Co. KG
Christian Winther
Chief Executive Officer

Der Brief kann hier als PDF-Datei herunter geladen werden.

Update (05. Juni): Wie jetzt bekannt wurde hat der dänische Telekommunikationskonzern TDC seine deutsche Tochter Talkline für 560 Millionen Euro an Debitel verkauft.

Über - Sebastian schreibt seit den Anfängen auf apfelfon. Nachdem er sich mit dem Apple-Virus infizierte, wurde ein Gerät nach dem anderen gekauft, so dass er aktuell auf eine wahre Horde von Apfel-Produkten blicken kann: iPhone, iPad, iMac, MacBook und ein appletv. Fast alle Geräte sind täglich im Einsatz, wodurch er auch ständig auf Probleme oder Neuigkeiten im Apple-Sektor aufmerksam wird.

Displaying 2 Comments
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  1. Paul sagt:

    Seine Argumentation ist stichfest. Aber wie ein Kollege mal zu mir sagte – ich glaube das warst Du Lars 😉 – nur die kleinen Unternehmen sind angriffslustig und können es sich gar nicht leisten eine so restriktive Produktpolitik zu fahren. Microsoft schlägt diese Richtung auch nur deshalb ein, um eigene Intressen zu schützen und andere Wettbewerber vor dem Gatter zu halten.

    Doch auch hinter dem demokratisch-anmutenden ApplePhilosophie verbirgt sich, so meine Vermutung, hartes unternehmerisches Kalkül.

    Apple war in seiner Vertriebspolitik außerdem schon immer eigen. Siehe Apple-Computer.

  2. iPhone News sagt:

    iPhone exklusiv oder freie Wahl…

    Apple will es sich einfach machen und das iPhone nur an einen exclusiven Partner ausliefern.
    In den USA ist ja schon alles beschlossen. Das iPhone wird nur von AT&T zu haben sein.

    In Europa ist noch etwas Zeit und es ist auch noch kein Vertr…

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