Little friend’s watching you – Datenausspähung über das Smartphone

Kategorie(n) Iphone, News, Sicherheit, Software - von Carsten am Montag, 20.12.2010 - 0 Kommentare

Wer ein Smartphone besitzt und dieses auch in vollem Umfang nutzt, gibt mehr von sich preis, als er vielleicht denkt. Die mobile Datenspeicher, dessen Funktionen längst über das Telefonieren und das Versenden von Textnachrichten hinausgehen, beherbergen, je nach Nutzerverhalten, einen nicht unerheblichen Teil sehr privater Daten – angefangen bei den Telefonnummern von Freunden und Verwandten, über deren Geburtsdaten und Adressen bis hin zu persönlichen Notizen und Passwörtern. Welche dieser Daten nun ohne das Wissen der User weitergegeben werden und für Dritte einsehbar sind, hat das Wall Street Journal erforscht und ist dabei zu unerwarteten Erkenntnissen gelangt.

Insgesamt testete das Magazin 101 Apps für iPhone und Android und fand heraus, dass immerhin 56 davon Daten und Informationen ihrer Nutzer übertragen, und zwar sozusagen „im Stillen“ – ohne den Nutzer vorab zu warnen oder zumindest darüber in Kenntnis zu setzen. Auch wenn gerade Apple sich gerne darauf beruft, dass  im App-Store angebotene Software keine Spyware enthalten darf: Die Untersuchung des Wall Street Journal zeigt deutlich, dass diese Vorschriften sich allzu leicht umgehen lassen.

Apple-Apps neigten insgesamt häufiger dazu, Daten der Benutzer weiterzugeben als die Android-Applikationen, wie das Wall Street Journal feststellte. Jedoch repräsentierten die getesteten Apps lediglich einen kleinen Ausschnitt aus der riesigen Applandschaft, weswegen eine adäquate Hochrechnung ausgeschlossen sein. Zudem dürfe man natürlich auch nicht vergessen, dass ein Smartphone per se schonungsloser mit Benutzerdaten umgehe. In einem regulären Internetbrowser lassen sich Cookies löschen und durch den Einsatz von Firewalls und die erhöhte Mündigkeit eines erfahrenen PC-Internetnutzers seien die Risiken ohnehin geringer.

Derartige Datenausspäherei sei für die Unternehmen durchaus lukrativ, weswegen gerade Konzerne wie Google kein Interesse an der Mündigkeit der Smartphone-Surfer haben. Die auf eine solch unsaubere Weise gewonnenen Daten werden von Google vor allem für Werbemechanismen genutzt. Mit GPS-Tracking, dem wiederholten Aufrufen von Seiten oder den Einkäufen in Online-Shops werden die Konsumverhalten der Benutzer im Internet ermittelt. Auf der Basis dieser Daten erscheine dann zielgerichtete Werbung in den Gratis-Apps der Nutzer.

Bis dato ist Google mit derlei Praktiken in wesentlich stärkerem Ausmaß unterwegs als Apple. Letztgenannter Konzern nutzt bislang „nur“ die Daten  aus dem AppStore und iTunes für die Fütterung seiner Werbeplattform iAd. Ob das aber so bleibt, muss sich erst noch herausstellen. Im Mai 2010 hatte Apple bereits ein Patent eingereicht, um auf der Basis individuellen Surfverhaltens Werbeanzeigen schalten zu können.

Über - Carsten lebt seit 2003 in Leipzig, studierte Germanistik, Journalistik und Komparatistik. Seit 2009 arbeitet er als Online-Redakteur und schreibt für verschiedene Blogs und Portale. Für apfelfon schreibt er seit 2010 den Großteil der Artikel. Seine Steckenpferde sind Apple-News und Gerüchte sowie Produkttests. Tagesschau und Co. konsumiert Carsten mit Vorliebe über iPhone-Apps; sein Highscore im FruitNinja Arcade Mode liegt derzeit bei 902.

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